Für Immobilienmakler
Sollen Interessenten Besichtigungen online buchen können?
Ja, aber erst nach einem Filter: Wer buchen kann, sollte vorher das vollständige Exposé gesehen und ein paar Angaben zu sich gemacht haben — frei buchbare Termine füllen den Kalender mit Menschen, die das Objekt nach zwei Minuten verwerfen.
§ 80 Abs. 4 GModGder Energieausweis muss Kaufinteressenten spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden — die Buchungsbestätigung kann ihn mitliefernGebäudemodernisierungsgesetz (bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz), § 80 Absatz 4
Was die Online-Buchung löst — und was nicht
Sie löst das Hin und Her: fünf Mails, bis ein Termin steht, und dazwischen hat der Interessent schon ein anderes Objekt besichtigt. Wer einen Termin sofort festmachen kann, macht ihn fest, solange das Interesse frisch ist.
Sie löst nicht das eigentliche Problem der meisten Makler: zu viele Besichtigungen mit zu wenig Ergebnis. Im Gegenteil — ohne Filter macht sie es schlimmer, weil die Hürde für einen Termin auf einen Klick sinkt.
Die Reihenfolge, die funktioniert
- Der Interessent sieht das vollständige Exposé mit Grundriss, Eckdaten und Energieangaben
- Er beantwortet drei kurze Fragen: Eigennutzung oder Kapitalanlage, Finanzierung geklärt oder offen, gewünschter Einzugszeitraum
- Erst dann sieht er die freien Termine und bucht
- Die Bestätigung enthält Adresse, Ansprechpartner, Anfahrt und den Energieausweis
Einzeltermine oder Sammeltermin
Bei gefragten Objekten sind feste Zeitfenster sinnvoll, in denen mehrere Interessenten nacheinander kommen — etwa ein Nachmittag mit Terminen im Abstand von zwanzig Minuten. Das schont den Eigentümer oder Mieter, der nicht jeden zweiten Tag die Wohnung räumen muss, und es bündelt deinen Tag.
Bei Objekten im höheren Preissegment ist es umgekehrt: Dort erwartet der Interessent einen Termin für sich allein, und eine Buchungsmaske wirkt schnell zu unpersönlich. Dort ist die Online-Anfrage mit persönlichem Rückruf der bessere Weg.
Welche Form gilt, sollte pro Objekt einstellbar sein, nicht für die ganze Website. Dasselbe Buchungssystem, das bei einer Mietwohnung einen Nachmittag mit Zeitfenstern anbietet, zeigt bei einem Einfamilienhaus nur den Knopf zur persönlichen Anfrage.
Der Nebeneffekt für die Pflichten
§ 80 Absatz 4 GModG verlangt, dass Kaufinteressenten den Energieausweis spätestens bei der Besichtigung vorgelegt bekommen. Wer ihn automatisch mit der Buchungsbestätigung verschickt, hat diese Pflicht erfüllt, bevor jemand vor der Tür steht — und dokumentiert, wann es passiert ist.
Dasselbe gilt für alles, was der Interessent vor dem Termin wissen sollte: Hinweise zum Parken, ob Schuhe ausgezogen werden müssen, ob der Mieter anwesend ist. Wer das in die Bestätigung schreibt, beantwortet die Anrufe am Morgen des Termins, bevor sie kommen.
Was nach dem Termin passiert
Eine gebuchte Besichtigung hat ein Datum, und damit lässt sich etwas anfangen, was bei telefonisch vereinbarten Terminen oft untergeht: eine Nachricht am Tag danach, mit der Frage nach dem Eindruck und dem Angebot, offene Fragen zu klären oder Unterlagen zu schicken.
Der zweite Empfänger ist der Eigentümer. Wer ihm nach jeder Besichtigung kurz berichtet, wie viele Interessenten da waren und was sie gesagt haben, macht die eigene Arbeit sichtbar — und genau das ist es, was ein Eigentümer später weitererzählt, wenn ein Nachbar nach einem Makler fragt.


