Für alle mit eigener Website
Warum entscheidet der erste Eindruck auf der Website über die Anfrage?
Weil der Besucher das Urteil über die Optik fällt, bevor er ein Wort gelesen hat — und dieses Urteil entscheidet nicht über die Anfrage selbst, sondern darüber, ob er überhaupt weiterliest.
50 Millisekundenreichten Versuchspersonen, um die Optik einer Startseite fast genauso zu bewerten wie nach 500 MillisekundenLindgaard, Fernandes, Dudek, Brown: Attention web designers: You have 50 milliseconds to make a good first impression!, Behaviour & Information Technology 25 (2), 2006, S. 115–126
Was die Forschung tatsächlich gemessen hat
Die Zahl, die in jedem zweiten Marketingvortrag auftaucht, stammt aus einer Studie der Carleton University von 2006. Die Forscher zeigten Startseiten für 50 und für 500 Millisekunden und ließen sie nach ihrer optischen Wirkung bewerten. Die Urteile nach der kurzen Zeit deckten sich weitgehend mit denen nach der langen.
Gemessen wurde also nicht, ob jemand anfragt, sondern ob ihm die Seite gefällt. Das ist ein wichtiger Unterschied. Der erste Eindruck verkauft nichts — er entscheidet, ob der Besucher bereit ist, sich den Rest überhaupt anzusehen.
Worauf das schnelle Urteil beruht
In einem Bruchteil einer Sekunde liest niemand eine Überschrift. Was wirkt, ist Ordnung: Wie viel steht gleichzeitig auf dem Bildschirm, wie ruhig sind die Flächen, gibt es eine klare Stelle, an der das Auge anfängt. Eine Seite mit drei Schiebebildern, fünf Farben und einem Siegelstreifen wirkt unruhig, bevor klar ist, was sie anbietet.
Für Makler und Finanzierer ist das doppelt heikel. Wer einem Fremden ein Haus oder eine sechsstellige Finanzierung anvertrauen soll, schließt aus dem Auftritt auf die Arbeitsweise. Unordnung auf der Seite liest sich als Unordnung im Büro — ob das stimmt, spielt für den Besucher keine Rolle.
Die drei Dinge, die ganz oben stehen müssen
Der erste Bildschirm ist kein Platz für alles. Er muss drei Fragen beantworten, bevor gescrollt wird:
- Bin ich hier richtig? Eine Aussage, für wen du arbeitest und wo — nicht, wer du bist
- Sind das echte Menschen? Ein Gesicht oder ein echtes Objektfoto statt eines Symbolbilds
- Was ist der nächste Schritt? Ein einziger Knopf zur Anfrage, nicht vier gleich laute
Wie du es bei dir prüfst
Öffne deine Startseite auf dem Handy, schau zwei Sekunden hin und leg das Telefon weg. Dann sag laut, für wen die Firma arbeitet und was man dort als Nächstes tun soll. Wenn du bei deiner eigenen Seite zögerst, wird ein Fremder es erst recht.
Der Test funktioniert noch besser mit jemandem, der die Firma nicht kennt. Zwei Sekunden, drei Fragen — die Antworten sagen mehr als jede Auswertung.
Was du zuerst weglässt
Die meisten Seiten werden nicht durch Hinzufügen besser, sondern durch Streichen. Die üblichen Kandidaten ganz oben: das Schiebebild mit fünf Motiven, von denen der Besucher nur das erste sieht; der Begrüßungssatz „Herzlich willkommen bei …“, der nichts sagt; die Reihe aus Logos und Plaketten, die um Aufmerksamkeit konkurriert; und ein zweiter und dritter Knopf, die gleich groß sind wie der eine, der zählt.
Jedes dieser Elemente hat einmal jemand für eine gute Idee gehalten. Zusammen machen sie genau das, was der schnelle Blick bestraft: Sie lassen die Seite voll wirken, bevor sie etwas gesagt hat. Was übrig bleibt, wenn sie weg sind, ist meist schon der bessere erste Eindruck.


