Für alle, die eine Agentur beauftragen wollen
Welche Fragen sollte ich einer Webagentur vor dem Auftrag stellen?
Die Fragen, deren Antworten später Geld oder Zeit kosten: Wer schreibt die Texte, auf wessen Namen laufen Domain und Hosting, was gilt als abgenommen, was kostet eine Änderung nach dem Start und wie kommst du an deine Seite, wenn die Zusammenarbeit endet.
BGH, 04.03.2010, III ZR 79/09ordnet einen Vertrag über Erstellung und Bereitstellung einer Website als Werkvertrag ein — geschuldet ist ein ErgebnisBundesgerichtshof, Urteil zum Internet-System-Vertrag
Warum die Fragen vorher gestellt werden müssen
Der Bundesgerichtshof hat 2010 einen Vertrag über Erstellung und Bereitstellung einer Website als Werkvertrag eingeordnet: Geschuldet ist ein Ergebnis, nicht nur Mühe. Was dieses Ergebnis ist, steht im Angebot — und was dort nicht steht, ist später Verhandlungssache.
Deshalb lohnt es sich, die unbequemen Fragen vor der Unterschrift zu stellen. Im Projekt wird jede ungeklärte Frage zu einem Nachtrag.
Praktisch heißt das: Lass dir die Leistung als Liste schreiben und erklären, wie die Abnahme abläuft — ob es einen Termin gibt, an dem du die fertige Seite prüfst und freigibst, und was mit Mängeln passiert, die danach auffallen.
Fragen zum Inhalt
- Wer schreibt die Texte — und wenn du, bekommst du Hilfe oder nur Platzhalter?
- Wie viele Korrekturrunden sind enthalten, und was gilt als Runde?
- Wer liefert die Bilder, und sind sie für deine Nutzung lizenziert?
- Welche Seiten und Funktionen sind genau enthalten? Eine Liste, keine Beschreibung.
Fragen zu Technik und Eigentum
- Auf wessen Namen werden Domain und Hosting registriert?
- Bekommst du alle Zugänge — und zwar als Inhaber, nicht als Gast?
- Mit welchem System wird gebaut, und kann ein anderer Dienstleister die Seite später übernehmen?
- Was passiert mit der Seite, wenn du den Wartungsvertrag kündigst?
- Wie wird die Seite gesichert, und bekommst du eine Kopie?
- Welche fremden Dienste werden eingebunden, und wer schließt die Verträge zur Auftragsverarbeitung?
Fragen, die zeigen, ob jemand deine Branche kennt
Du musst die richtigen Antworten nicht selbst kennen. Du merkst am Zögern, ob jemand über dein Geschäft nachgedacht hat oder über Websites im Allgemeinen.
Für Bauträger und Finanzierer gilt dasselbe mit anderen Fragen: Wie wird der Status der Einheiten gepflegt? Wie kommen die Zahlen aus dem Rechner in die Anfrage?
- Wer entscheidet bei mir über den Auftrag — und wie spricht die Seite diese Person an?
- Wie kommen meine Objekte aus der Maklersoftware auf die Seite?
- Was muss bei meiner Tätigkeit ins Impressum?
- Wie zeige ich Kundenstimmen und verkaufte Objekte, ohne Ärger zu bekommen?
Fragen zu Abnahme und Betrieb
Frag, wann die Seite als abgenommen gilt und was danach noch im Preis enthalten ist. Frag, was eine kleine Änderung nach dem Start kostet und wie schnell sie umgesetzt wird. Und frag, wer bemerkt, wenn ein Formular nicht mehr funktioniert — du oder der Dienstleister.
Die wichtigste Frage steht am Ende: Kann ich eine Seite sehen, die ihr für jemanden in meiner Branche gebaut habt, und darf ich mit dem Kunden sprechen? Eine Agentur, die das nicht möchte, hat meist einen Grund.
Schreib dir die Antworten auf und leg sie neben das Angebot. Was mündlich zugesagt und nirgends festgehalten ist, gibt es nach drei Monaten nicht mehr.


